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Mogelpackung des Tages – Grüner Smoothie

Mogelpackung Grüner Smoothie! TV-Moderatorin und Hauswirtschaftsmeisterin Yvonne Willicks deckt seit Jahren Mogelpackungen auf. Diesmal hält ein grüner Smoothie ihren Erwartungen nicht Stand!

Yvonne Willicks

Tja, was soll ich sagen, ich bin ja generell to-go-Produkten gegenüber sehr kritisch eingestellt. Erstens sind sie meistens sehr teuer. Zweitens verursachen sie viel Müll und drittens sind sie meistens ernährungsphysiologisch nicht besonders günstig. Aber … naja, manchmal sind sie aber eben doch praktisch. Zum Beispiel bei Dreharbeiten, wenn wir das Hotel schon verlassen haben, bevor es überhaupt Frühstück gibt und dann im Laufe des Tages keine Zeit für eine längere Pause bleibt. Dann wird in der Tankstelle oder im Supermarkt schon mal in das to-go-Regal gegriffen (aber das sind eigentlich immer nur Ausnahmefälle). So bin ich auch an diesen interessanten Drink gelangt.

Der Ruf eilt ihm voraus – das neue Superfood Baobab

Ein grüner Smoothie mit Apfel, Birne, Grünkohl, Spinat und Baobab. Klingt doch fast wie ein Mittagessen, oder? Wisst ihr was Baobab ist? Das ist die Frucht des Affenbrotbaumes, ein Baum, der in Afrika wächst. Früchte und Samen sind dort weitverbreitete Lebensmittel. Sie werden als Brei, Öl oder als Grundlage für Säfte und Süßigkeiten verwendet. In Europa ist die Frucht noch weitgehend unbekannt. Aber Baobab hört sich doch toll an, oder? So exotisch! So gesund! So superfood-mäßig! So wird die Frucht auch tatsächlich hier vermarktet – als Pulver, als Pille, als Riegel – und eben als Zutat für einen gesunden grünen Smoothie.

Wie viel sind 0,02 ml?

Nun ist „Zutat“ allerdings etwas übertrieben, ich würde es eher als Prise bezeichnen. Ein Blick auf die Rückseite der Flasche offenbart nämlich Erstaunliches. Im Zutatenverzeichnis finden sich ja alle Inhaltstoffe des Lebensmittels in der absteigenden Reihenfolge. Also die Zutat, von der am meisten im Produkt enthalten ist, steht an erster Stelle, an zweiter Stelle kommt die, von der danach am meisten enthalten ist usw. Baobab finden wir als Letztes in der Liste – mit 0,02%! Echt jetzt? 0,02%? Wie viel Volumen ist das überhaupt? Nach meinem Taschenrechner sind 0,02% von 250ml 0,05 ml. Das ist noch nicht mal eine Messerspitze voll … Ich glaube, das kann man noch nicht mal mit einer Briefwaage abwiegen.

Grüner Smoothie zu 4/5 aus Apfelsaft und Birnenpüree

Für mich ist dieser Smoothie eine absolute Mogelpackung! Er besteht zu 4/5 (78%) aus Apfelsaft und Birnenpüree. Die auf der Vorderseite angepriesenen gesunden grünen Zutaten Grünkohl, Spinat und Baobab kommen zusammen gerade mal auf 3,22 %. Gut, es ist nichts Neues, auf der Vorderseite groß etwas anzupreisen, was in der Zutatenliste dann nicht gehalten werden kann. Trotzdem ärgere ich mich jedes Mal aufs Neue darüber! Geht das euch auch so?

Regionales Superfood schlägt die Exoten

Und im Übrigen sind Grünkohl und Spinat, was Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente angeht, den angeblichen Superfoods aus allen Herrenländern sogar überlegen. Denn sie haben keine langen Transportwege hinter sich – und somit keinen Vitaminverlust! Da muss man sich nicht von der Lebensmittelindustrie weißmachen lassen, dass Superfood nur in exotischen Gegenden wächst. Hier bei uns wachsen regionale Supergemüse, die sich vielleicht nicht so cool anhören wie Baobab, Acai, Chia, Gojibeeren, aber mindestens genauso gesund sind!