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Die optimale Bettdecke

Die optimale Bettdecke – gar nicht so einfach zu finden. Worauf es bei Bettdecken und insbesondere Daunendecken ankommt und wie sie gewaschen werden, weiß Hauswirtschaftsmeisterin und TV-Moderatorin Yvonne Willicks.

Yvonne Willicks

Warm und gemütlich oder leicht und luftig? Jeder mag es anders im Bett. Aber eines steht fest: Die Decke ist das vielleicht am meisten unterschätze Produkt im Schlafzimmer, denn sie ist essentiell für einen guten Schlaf. Doch was ist die optimale Decke? Und gibt es die überhaupt?

Der Großteil der Deutschen (fast 80 Prozent) schläft unter Daunen oder Synthetikdecken, sehr viel weniger unter Naturhaar, Kaschmir, Seide oder Baumwolle. Jedes Material hat seine Stärken und Schwächen. Ein wichtiges Indiz für die Qualität einer Decke und entscheidend für einen entspannten Schlaf ist, wie gut sie Feuchtigkeit abtransportieren kann. Dies wird mit dem sogenannten Wasserdampfdurchgangswiderstand angegeben. Je höher der Wert, desto mehr Wärme und Feuchtigkeit bleiben unter der Decke. Für welche Jahreszeit die Zudecken geeignet sind, lässt sich an den Wärmeklassen ablesen. Diese sind zwar nicht verbindlich geregelt, als Orientierung gilt aber: Klasse 1 ist ein leichtes Sommerbett, Klasse 5 eine schwere Decke für den Winter.

Bettdecken waschen – so geht es

Gute Decken, egal aus welchem Material oder welcher Preisklasse, zeichnen sich meiner Ansicht nach dadurch aus, dass man sie einfach und ohne Qualitätsverlust waschen kann. Denn Bettdecken sollten etwa 1x pro Jahr nass gereinigt werden. Kopfkissen sogar häufiger, da wir am Kopf mehr schwitzen. Syntethikdecken lassen sich in der Regel unproblematisch zu Hause in der Maschine waschen. Bitte vorher Herstellerhinweise lesen und beachten!

Daunendecken waschen – das Volumen ist das Problem

Etwas schwieriger ist das mit Daunendecken, allein schon aufgrund ihres Volumens. Es braucht nicht nur eine große Waschmaschine, sondern auch einen großen Trockner, um Daunen und Federn wieder gut aufzubauschen. Ohne Trockner ist das geradezu unmöglich. Daunen verklumpen schnell und können in schlimmsten Fall anfangen zu stocken. Dann ist die Decke hin. Auch hier immer die Herstellerempfehlung beachten. Wusstet ihr, dass Daunen bei guter Pflege bis zu 25 Jahre halten können? Bettenfachgeschäfte bieten Aufbereitung und Wäsche von Daunen an. Das ist unkompliziert, kostet aber etwas mehr. Wer seine Daunendecken zu Hause waschen möchte, sollte Folgendes beachten:

Daunendecken waschen – so geht es

  • Neutrales Fein- oder Wollwaschmittel verwenden.
  • Decke in Waschmaschine stecken und zunächst trocken kurzschleudern, damit die Luft aus der Decke entweicht.
  • Wollprogramm mit ein bis zwei Spülgängen zusätzlich wählen. Bei 1000–1200 Umdrehungen/Minute schleudern.
  • Mehrere Tennisbälle in den Trockner geben. Damit werden die Federn wieder aufgebauscht und die Füllung verklumpt nicht.

Etiketten auf Daunendecken

Was steckt hinter den Qualitätsklassen auf Daunendecken? Hier eine kurze Übersicht der Vorgaben aus der relevanten DIN-Norm EN12934 vom Haushaltscheck „Aufgedeckt – wie wichtig ist die Bettdecke für den Schlaf?“. (Die Sendung haben wir 2016 gedreht, sie ist aber leider nicht mehr in der WDR-Mediathek.)

  • Klasse 1: Die Füllung der besten Klasse 1 besteht aus mindestens 95% neuen Daunen und Federn. Exakt das Gleiche besagt die Kennzeichnung „Neue Daunen“.
  • Klasse 1–3: Decken der Qualitätsklassen 1-3 sind mit Daunen von Wassergeflügel (Gänse und Enten) gefüllt.
  • Klasse 4-6: In den Klassen 4-6 finden sich Landgeflügel oder Mischungen aus Land- und Wassergeflügel.
  • Klasse 7: Die 7. Klasse bezeichnet „unspezifische Zusammensetzungen“.

Laut Din-Norm müssen Gänse- und Entendaunen nicht explizit gekennzeichnet werden. Für beide genügt die Bezeichnung „Wassergeflügel“. Wird jedoch explizit von Gänsen oder Federn gesprochen, so muss zusätzlich deren jeweiliger Anteil in Prozent angegeben werden (z.B. 90% Gans).

Herkunft der Daunen? Rückverfolgung kaum möglich

Angaben zu Farbe oder Herkunft des Materials sind nicht nötig! Das ist ein Problem, denn viele Tonnen Daunen werden jährlich nach Deutschland importiert – und woher die kommen oder wie sie gerupft wurden ist völlig unklar. Weil Daunen viele Stationen zurücklegen, bis sie zu einer Decke verarbeitet werden, ist eine Rückverfolgbarkeit geradezu unmöglich. So kann sich der Kunde eigentlich nie sicher sein, ob er Daunen aus Lebendrupf oder von Tieren aus der Stopfmast kauft. In der EU ist der Lebendrupf aus Tierschutzgründen verboten. Am lebenden Tier ist lediglich das „Mauserraufen“ erlaubt. Bei dieser Technik wird den Tieren während des Gefiederwechsels (Mauser genannt) loses Daunen-Material aus dem Gefieder gestrichen.

 

Traumpass

Transparenz soll das vom Verband der Deutschen Daunen- und Federindustrie herausgegeben Traumpasssiegel bringen. Es soll Verbrauchern garantieren, dass die Bettdecke nur Daunen und Federn enthält, die nicht von lebenden Tieren stammen. Die Rück­verfolg­barkeit muss anhand von Dokumenten nachgewiesen werden. Das Siegel gibt es nur für Daunen der beiden höchsten Qualitätsklassen. Stiftung Warentest hat aber 2013 herausgefunden, dass Anbieter das Siegel verwenden, ohne deren Anforderungen zu erfüllen.

Den Test aus 2013 findet Ihr hier: https://www.test.de/Bettdecken-im-Test-Kuschlig-warm-dank-Tierquaelerei-4622395-0/

Das Zertifikat Down-Pass ist eine Weiterentwicklung von Traumpass und wurde 2017 eingeführt. Stiftung Warentest hat zwar 2018 nochmal einen Test zu Bettdecken durchgeführt, eine Überprüfung des Down-Passes hat aber leider nicht stattgefunden.

Den Test aus 2018 findet Ihr hier:  https://www.test.de/Bettdecken-Daune-Kunstfaser-Wolle-welche-Decke-ist-die-richtige-5370279-0/

 

Responsible Down Standard

 

Siegelgeber ist hier die US-NGO „Textile Exchange“. Das Ziel des Standards ist, dass Enten und Gänse tiergerecht gehalten werden. Lebendrupf und Stopfmast sind verboten.

Wer sicher wissen will, woher die Daunen aus seiner Decke stammen, sollte einen Schlachthof aufsuchen, der Daunen als Nebenprodukt zu Bettdecken verarbeitet. Informationen über einen Hof in der Nähe gibt es beim Bundesverband bäuerliche Gänsehaltung e.V.

Hier der Link:  (http://www.zdg-online.de/verband/mitglieder/bundesverbaende/bbg-deutsche-gaense/)

Eure Yvonne