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App statt MHD

Viele Lebensmittel landen im Müll, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) abgelaufen ist. Dabei sind sie meistens noch immer genießbar. Hauswirtschaftsmeisterin und TV-Moderatorin Yvonne Willicks über eine neue App, die berechnet, bis wann Lebensmittel tatsächlich haltbar sind.

Yvonne Willicks

Erst kürzlich hatte ich einen Blog über Lebensmittelverschwendung geschrieben. Anlass war eine Haushaltscheck-Sendung zum Thema „Lebensmittel retten“.

Den Link zur Sendung findet Ihr hier:
https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/der-haushaltscheck/video-lebensmittel-retten-leicht-gemacht-100.html

Den Link zum Blogpost findet Ihr hier:
https://www.yvonnewillicks.de/2019/07/12/zu-gut-fuer-die-tonne-jedes-jahr-landen-11-millionen-tonnen-lebensmittel-im-muell/

Jedes Jahr landen elf Millionen Tonnen Nahrungsmittel in Deutschland im Müll, das sind pro Kopf im Privathaushalt etwa 55 Kilogramm (Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft). Das ist viel zu viel! Und Schuld ist allzu oft das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Ist es abgelaufen, landen Lebensmittel schnell in der Tonne. Dabei ist das Mindesthaltbarkeitsdatum nur ein Qualitätsversprechen an die Verbraucher und kein Wegwerfdatum. Auch nach Ablauf der Frist ist das Produkt in der Regel noch völlig in Ordnung. Die meisten Hersteller gehen nämlich auf Nummer sicher und planen bei der Berechnung des Datums die absolute Untergrenze ein, berücksichtigen dabei noch eventuelle Lagerungsfehler, Transportwege, Unterbrechung der Kühlkette etc. Dementsprechend sind die Produkte meistens Tage oder sogar Wochen länger haltbar als angegeben.

Neue App für MHD-Berechnung

Jetzt habe ich gerade in der Zeitung gelesen, dass eine App entwickelt worden ist, mit der das tatsächliche Haltbarkeitsdatum ausgerechnet werden kann. Entwickelt wurde der „Freshindex“ vom Metro-Konzern, gefördert wird er vom Forschungsministerium. In einem Großmarkt in Sankt Augustin läuft derzeit die Testphase, zunächst nur mit Schweinefleisch. Dabei muss auch der Kunde etwas Aufwand betreiben. Er muss den Barcode des Produkts scannen, dann die Transportzeit angeben und die Lagerungstemperatur im heimischen Kühlschrank. Anhand dieser ganzen Daten errechnet die App die exakte Haltbarkeit des Produkts – und die liegt meist weit hinter dem auf der Packung angegebenem Datum. Ende 2019 soll eine Auswertung des Versuchs vorliegen.

App gegen Lebensmittelverschwendung

Klar, das System ist aufwändig für diejenigen, die einen Großeinkauf machen und dann für jedes Produkt mehrere Daten eingeben müssen (als ob man sonst nix zu tun hätte!). Aber im Prinzip ist die Idee doch super. Und mal ehrlich, bei den meisten abgelaufenen Lebensmittel lässt sich ganz einfach durch anschauen, riechen und kosten schnell feststellen, ob sie noch genießbar sind oder nicht. Aber gerade für Wurst- und Fleischwaren oder andere empfindliche Lebensmittel (oder auch die, die nicht ohne weiteres gekostet werden können) hat das System aus meiner Sicht großes Potential.

Ich sag ja immer: Die Wirtschaft ist findig! Üben Verbraucher ausreichend Druck aus (und das MHD steht seit mehreren Jahren massiv in der Kritik), dann findet die Wirtschaft immer eine Lösung. Denn die Hersteller wollen schließlich ihre Produkte weiter erfolgreich verkaufen – und nicht darauf sitzen bleiben.

Ich bin jedenfalls gespannt, was die Auswertung ergibt. Und, ob der „Freshindex“ vielleicht das MHD der Zukunft wird. Ich engagiere mich ja seit Jahren gegen Lebensmittelverschwendung und ich sehe, dass ein Umdenken in der Bevölkerung stattfindet. Sicherlich ist das auch bei Euch so. Dennoch hier nochmal mein Plädoyer: Geht sorgsam mit Lebensmitteln um und versucht, so wenig wie möglich wegzuschmeißen. Für verschrumpeltes Gemüse, braune Bananen und Co. gibt es tolle Rezepte im Netz. Am besten kauft ihr erst gar nicht so viel ein, dass Lebensmittel übrig bleiben. Jeder kann etwas tun!

Lebensmittelverschwendung vermeiden – das kann jeder tun:

  • Gezielt einkaufen: einen Speiseplan für die nächsten Tage machen, Einkaufszettel schreiben.
  • Lebensmittel richtig lagern.
  • Reste einfrieren oder am nächsten Tag weiterverwenden.
  • Lebensmittel mit abgelaufenem MHD nicht direkt in die Tonne werfen! Geruchs- und Geschmackstest machen!
  • Verbrauchsdatum (für Hackfleisch und Fisch) einhalten!
  • Obst und Gemüse im Supermarkt nicht drücken oder „abtasten“ (Avocado, Erdbeeren, etc.), es wird dann von niemandem mehr gekauft!

(Quelle: Haushaltscheck, WDR)

Eure Yvonne