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Edeka verramscht Hähnchenschenkel für 15 Cent!

Fatale Sonderangebote – Supermärkte verramschen Fleisch unter dem Erzeugerpreis, um Kunden in ihre Geschäfte zu locken.

Yvonne Willicks

Ein unmoralisches (Sonder-)Angebot – Edeka verramscht Hähnchenschenkel für 15 Cent!

Ich hatte neulich schon mal was zum Thema Tierhaltung geschrieben. Ihr kennt also meine Meinung: Ich bin für hohe Tierschutzstandards, verpflichtend für alle Tierhalter – auch mit der Folge, dass die Preise für Fleisch steigen. Ich finde, das sollte uns das Leben der Tiere Wert sein. Außerdem kann ein bisschen weniger Fleisch nicht schaden.

Nun habe ich eine Meldung gelesen, die mir die (Wut-)Tränen in die Augen treibt. Edeka verkaufte Anfang Juli als „Montagsknüller“ Hähnchenschenkel für 15 Cent pro 100 Gramm. Also 1,50 Euro für ein Kilogramm! Das macht mich sprachlos. Für das Fleisch wurde ein Tier getötet! 1,50 Euro für das Leben eines Tieres, das ist doch nicht in Ordnung, oder? Und der absoluten Gipfel ist, dass auf der Titelseite des Edeka-Heftchens, in dem das Sonderangebot beworben wird, das Label der „Initiative Tierwohl“ prangt. Die „Initiative Tierwohl“ ist ein Zusammenschluss der Fleischwirtschaft, die versucht die Haltungsstandards der Industrie trotz Massentierhaltung zu verbessern. Die Initiative steht heftig in der Kritik, aber das nur nebenbei.

Angebot wird mit „Initiative Tierwohl“  beworben

Auf dem Prospekt wird mit dem Label der Initiative suggeriert, dass das Hähnchenfleisch für 15 Cent auch noch tiergerecht gehalten worden sei. Hä???? Wie soll das denn bei dem Dumpingpreis bitte schön gehen?

Foto: Quelle: Facebook/Simone Animale

Große Aufregung herrschte darüber in den sozialen Medien. Simone hat den Prospekt fotografiert und schreibt an Edeka: „Somit suggerieren Sie den Verbrauchern sogar noch, dass diese etwas Gutes tun, wenn sie dieses Billig-Fleisch kaufen. Damit unterstützen Sie, dass die Menschen immer mehr den Bezug zu dem was sie dort auf dem Teller haben (verlieren) und es vor allem nicht mehr schätzen.“

Hier kannst du den gesamten Post von Simone lesen: https://www.facebook.com/1943789702312118

Ich sehe das genauso wie Simone. Mit solchen vermeintlichen Superschnäppchen verliert man als Kunde den Bezug zu den realen Kosten für Aufzucht, Pflege und Schlachtung von Nutztieren. Nach dem Motto: Neulich hat das Hähnchen doch nur 1,50 Euro gekostet, wieso soll ich jetzt 4 Euro zahlen?

Was ist uns das Leben eines Tieres wert?

Vor ein paar Jahren wollte ich mal eine große feine Hühnersuppe für eine Familienfeier kochen. Ein Suppenhuhn ist mir zu mickrig, denke ich, und gehe in meine Neuland-Fleischerei und zeige auf ein mittelgroßes Huhn (etwas über 1 Kilo): Das will ich! Jetzt ratet, was das gekostet hat! Mehr als 20 Euro. Ich habe schwer geschluckt. Nun bin ich in der komfortablen Lage, 20 Euro für ein Huhn auszugeben, da es unsere Haushaltskasse nicht mehr so knapp bemessen ist, wie zu Beginn meiner Ehe. Außerdem esse ich sehr wenig Fleisch. 1x in der Woche wenn es hoch kommt, aber das ist dann von meinem Neuland-Fleischer und entsprechend teuer. Billig-Fleisch kommt bei mir (nicht mehr) auf den Tisch.

Was kostet das Leben eines Tieres?

Jedenfalls musste ich bei 20 Euro trotzdem schlucken. Ich weiß, es ist Wahnsinn! Aber ich habe bezahlt und zu Hause das Huhn ausgepackt. Es hatte eine stolze Brust und sah gut genährt aus. Es hatte viel Fleisch und das war herrlich zart. Aus der Brust habe ich ein sagenhaftes Hühnerfrikassee zubereitet und der Rest des Tieres landete in der Suppe. Das Aroma war unsagbar köstlich. Es klingt jetzt vielleicht etwas pathetisch, aber das Huhn hat vermutlich ein ordentliches Leben gehabt, zumindest so ordentlich wie es ein Nutztier nur führen kann. Unser Fleischer und auch die Bio- oder Neuland-Bauern, die ich immer mal wieder treffe, fahren keine Luxusschlitten und tragen teuren Uhren. Ich bin mir also ziemlich sicher, dass sie sich an den Produkten keine goldene Nase verdienen (Auch, wenn das oft als Vorwurf im Raum steht.) Ich denke, sie berechnen ihre Kosten so, dass alle Beteiligten etwas Gewinn machen, aber eben nur etwas.

Fleisch als Ramschware – einfach unmoralisch!

Und im Umkehrschluss bedeutet das, dass 20 Euro für ein Huhn in etwa der Preis ist, den es kostet, um dem Tier ein einigermaßen erträgliches Leben zu ermöglichen. Darüber sollte man mal nachdenken! Nun sind Schenkel und auch Flügel natürlich die uninteressantesten Teile eines Huhns oder Hahns, also die Reste. Ein User schreibt, die Alternative wäre sie dann wegzuschmeißen. Insofern ist es richtig, dass Schenkel und Flügel zu deutlich günstigeren Preisen verkauft werden als Brustfleisch. Aber 15 Cent? Leute! Dann verschenkt es doch lieber! Für einen guten Zweck, oder so!

Edeka lockt Kunden mit Kampfpreis in die Geschäfte

Edeka hat sich schließlich auch zu Wort gemeldet: „Bei dem Angebot handelte es sich aber um eine Werbeaktion, die nur in einigen Märkten verfügbar sowie auf einen Tag begrenzt war. Der Angebotspreis hatte in diesem Fall keinen Einfluss auf den Erzeugerpreis, den die Landwirte erhalten, sondern ging zu Lasten des Groß- und Einzelhandels.“ Ja klar, das Angebot soll Kunden in die Läden locken, damit sie dort auch ihre restlichen Einkäufe erledigen. Ein Produkt mit Verlust verkaufen, um den Gesamtgewinn zu steigern. Ist schon klar und ein alter Hut. Aber es geht um das Zeichen. Darum, Fleisch zu Centbeträgen zu verramschen, als ob es keinen Wert hätte. Sicher hat Edeka an diesem einen Tag viele, viele  Hähnchenschenkel verkauft – und auch viele andere Produkte. Und wahrscheinlich war die Aktion aus Edeka- Sicht ein Erfolg. Ich aber bin entsetzt. „Wir lieben Lebensmittel“ lautet das Motto der Supermarktkette – da lachen doch die Hühner!

Eure Yvonne