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Das Leben als Autorin

Schreibblockaden, Ideenlosigkeit und Panik vor dem Abgabetermin – Autoren haben es nicht einfach! TV-Moderatorin Yvonne Willicks über die Widrigkeiten beim Schreiben eines Buches.

Yvonne Willicks

Mein Leben als Autorin kann ganz schön anstrengend sein. Egal, was ich mache, ob Moderationstexte, Filme, Präsentationen oder Bücher, es steckt immer ganz viel von mir selbst darin. Das kostet Energie, denn ich muss mich ja zu allem positionieren, alles wissen, lesen und einschätzen. Wenn das Ergebnis dann keinen Gefallen findet, trifft mich das, weil es eben nicht nur irgendein Produkt ist, sondern in der Regel viel von meiner Persönlichkeit offenbart. Das ist vermutlich in allen kreativen Berufen so. Eine besondere Achterbahnfahrt allerdings, war die Entstehung meines sehr privaten Buches über meinen Glauben: „Glaube ganz einfach: Eine persönliche Spurensuche. Wie Gott uns überall begegnet.“ Da steckt natürlich besonders viel Herz von mir drin.

1. Phase: „Das schaffe ich locker.“

Es ist bereits das vierte Buch, nach „Meine 111 besten Haushaltstipps“, „Achtung Mogelpackung – Wissen für Verbraucher“ und „Meine 111 besten Einkaufstipps“. (Die könnt ihr alle hier auf der Seite kaufen.) Ich habe also mittlerweile etwas Erfahrung, was die Entstehung von Büchern betrifft. Ich habe sie jeweils in sechs Phasen durchlebt. Die erste Phase „Das schaffe ich locker“ ist geprägt von Enthusiasmus und Freude über das neue Projekt. Die Idee wird skizziert, Kapitel geplant und Inhalte überlegt. Danach werden Kalender gecheckt und Wochen gezählt. Meistens rechne ich aus, wie viele Texte ich pro Woche/pro Monat schreiben muss. Alles kein Problem, da habe ich genug Zeit! Das schaffe ich locker.

2. Phase: „Mir fällt einfach nichts ein.“

Ich habe also (theoretisch) einen prima Terminplan, nach dem jeder freie Tag zum Schreiben genutzt werden soll. Und ich beginne zu schreiben. Am Anfang läuft es meist gut, denn ich arbeite die in Phase 1 entworfenen Inhalte ab. Aber irgendwann beginnt Phase zwei „Mir fällt einfach nichts ein“. Dann sitze ich am Schreibtisch, und es will einfach nichts aus mir heraus. Zero. Leeres Hirn. An anderen Tagen ist es wie eine Schleuse, die ich nur öffnen muss und Texte fließen einfach. Aber ich kann mir leider nicht aussuchen, wann das passiert. Und dann sitze ich manchmal da und es passiert einfach nichts. Dann fange ich oft an zu putzen. Dazu kommt, dass ich ja viel unterwegs bin auf Drehs in ganz Deutschland. Manchmal komme ich erst spät in der Nacht nach Hause. Da wird dann aus einem freien Schreib-„Tag“ vielleicht eine Schreibzeit von allenfalls 3 Stunden, weil ich erst mal ausschlafen muss.

3. Phase: „Das wird knapp.“

Wenn das zu oft geschieht, dann beginnt Phase 3 „Das wird knapp“. Die Schreibtermine werden weniger, aber das Manuskript nicht länger. Noch ist aber alles (theoretisch) machbar. In kürzeren Freiphasen (Drehpausen, abends im Hotel, in der Mittagspause) entwerfe ich kürzere Texte oder Ideen, damit das Buch „voll“ wird.

4. Phase: „Das schaffe ich niemals.“

Dann tritt leise schleichend Phase 4 „Das schaffe ich niemals“ ein. Vieles ist noch in der Rohfassung und muss noch „hübsch“ gemacht und ausformuliert werden. Die langen Texte sind noch gar nicht geschrieben, die für die man viel Zeit und Muße braucht. (Vor denen drücke ich mich am längsten.) Der Zeitdruck erhöht meine Leidensfähigkeit. In dieser Phase sitze ich auch nach einem langen Redaktionstag in der WDR-Servicezeit noch bis tief in die Nacht am Schreibtisch. Mein Problem UND mein Glück: Ich schreibe sehr impulsiv. Das nutze ich jetzt aus und schreibe und schreibe jedes Mal, bis nix mehr kommt. Wochenenden sind erst mal gestrichen.

5. Phase: „Hilfe!!!“

Phase 4 geht unmerklich in Phase 5 „Hilfe!!!“ über, nämlich genau dann, wenn der Abgabetermin naht und das Manuskript immer noch so chaotisch aussieht, wie die Wohnung einer (wilden) fünfköpfigen Familie, bei der in jedem Zimmer immer nur ein bisschen aufgeräumt wird, in der Hoffnung das Chaos irgendwie zu besiegen. So bewege ich mich dann auch durch das Manuskript: Hier ein bisschen nacharbeiten, da ein bisschen ordnen. Erst, wenn es keine Alternative mehr gibt, die Uhr tickt und es eigentlich schon zu spät ist, kommt die Hauswirtschaftsmeisterin in mir durch. Erst dann wird gründlich von vorne nach hinten, Kapitel für Kapitel aufgeräumt, repariert und durchgewischt – oder um im Bild zu bleiben, Zimmer für Zimmer fertiggemacht.

6. Phase: „Habe ich doch gesagt!“

Abgabetermin! Das Manuskript ist fertig – ich auch!
Mein Lektor hat mir in Phase 4 mal eine beruhigende Grafik geschickt. Ich weiß, ich bin nicht allein.

Wie ein Buch entsteht …