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Die armen Ferkel! Betäubungsloses Kastrieren geht weiter

Betäubungslose Ferkelkastration ist noch bis 2021 erlaubt. TV-Moderatorin und Hauwirtschaftsmeisterin Yvonne Willicks findet das nicht in Ordnung! Welche Alternativen es gibt und was Verbraucher jetzt schon dagegen tun können, schreibt sie in ihrem Blog.

Yvonne Willicks

Eigentlich sollten ab 1. Januar 2019 keine Schweinchen mehr ohne Betäubung kastriert werden. Eigentlich! Nach dem neuen Tierschutzgesetz von 2013, war die betäubungslose Ferkelkastration nur noch (übergangsweise) bis zum 31.12.2018 erlaubt. Die Regierungskoalition (und die AfD) hat aber Ende November beschlossen, die Übergangsfrist für die betäubungslose Ferkelkastration um zwei weitere Jahre zu verlängern. Der Grund: Die Landwirte hätten es angeblich in fünf Jahren nicht geschafft, eine praktikable Alternative zu finden.

Unglaublich: Bauer haben in 5 Jahren keine Alternative gefunden

Die Bauernvertreter sind jetzt natürlich erleichtert. Sie hatten gewarnt, dass zahlreiche Schweinmäster ihre Betriebe schließen müssten, wenn das Verbot am 1. Januar in Kraft tritt. Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, sagte nach dem Aufschub der Betäubungspflicht: „Wir wollen den geregelten Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration. Deshalb müssen die zwei Jahre jetzt unbedingt genutzt werden, um pragmatische Lösungen für alle Betriebe und Betriebsgrößen zu finden.“

Als ob fünf (!) Jahre Übergangszeit nicht ausreichend lang ist, um Alternativen zu entwickeln. Das ist doch unglaubwürdig. Ich persönlich finde die Entscheidung des Bundestages einen Skandal. Genauso wie die Argumentation der Bauern, die es in dieser Zeit offensichtlich nicht geschafft haben, sich ernsthaft mit dem Thema zu beschäftigen. Ich finde es einen Skandal, dass überhaupt jahrelang Tieren ohne Betäubung Hoden abgeschnitten werden dürfen – und zwar 20 Millionen im Jahr. 20 Millionen!

Wie der Tierschutzbund die betäubungslose Ferkekastration bewertet, könnt ihr hier lesen:

https://www.tierschutzbund.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Positionspapiere/Landwirtschaft/Ferkelkastration_Alternativmethoden.pdf

Millionen Tiere leiden jedes Jahr!

Wenn wir hier nur über Ausnahmen sprechen würden (wie es im Tiergesetz vorgesehen ist), dann gäbe es sicher auch Argumente für einen Aufschub. Aber wir reden hier über die Regel. Darüber, dass Millionen Tieren, jedes Jahr (ziemlich empfindliche) Teile des Körpers abgeschnitten werden. Einfach so und dann – zack, zurück in den Stall, als ob nichts gewesen wäre.

Wie so eine Ferkelkastration durchgeführt wird, zeigt Schweinebauer und Videoblogger Dirk Nienhaus auf seinem Youtube-Kanal „Bocholter Landschwein“. Schaut euch das mal an und bildet euch eine Meinung, ob ihr das ok findet ist oder nicht.

Link hier: https://www.youtube.com/watch?v=iNvgVa4JlXA

Schmerz lass nach!

Ich finde es nicht ok. Ich finde, auch an ganz jungen Tieren sollte – wie das Tierschutzgesetz es vorsieht – „ohne Betäubung ein mit Schmerzen verbundener Eingriff nicht vorgenommen werden“ (Tierschutzgesetz, Vierter Abschnitt – Eingriff an Tieren (§§5-6a)). Und im Übrigen sollte nicht nur die betäubungslose Kastration bei Ferkeln verboten sein, sondern auch bei jungen Bullen, Schaf- und Ziegenböcken, genauso wie das betäubungslose Kürzen von Schwänzen bei Ferkeln und Lämmern, das betäubungslose Enthornen bei Rindern und das betäubungslose Abtrennen von Zehen bei Küken. Das ist doch alles furchtbar schmerzhaft. Was tun wir unserem Nutzvieh nur an?

Was alles erlaubt und verboten ist, könnt ihr im Tierschutzgesetz nachlesen:

https://dejure.org/gesetze/TierSchG/5.html

Ebergeruch stört deutsche Verbraucher

Warum werden Ferkel überhaupt kastriert? Grund ist der sogenannte Ebergeruch, den das Fleisch von männlichen Mastschweinen annehmen kann. Viele Deutsche mögen diesen Geruch nicht. Laut Tierschutzbund liegt der Anteil der betroffenen Tiere bei ungefähr fünf Prozent. Für Briten und Iren stellt der Ebergeruch kein Problem dar. Sie mästen ausschließlich Eber(!). Die Ebermast ist eines der aktuell diskutierten Alternativverfahren zur betäubungslosen Ferkelkastration – und aus Tierschutzsicht die Beste.

Es gibt erprobte Alternativverfahren

Weitere praxistaugliche Verfahren sind die Impfung gegen Ebergeruch (Immunokastration), die etwa in Belgien relativ weit verbreitet ist Außerdem die Kastration unter Vollnarkose, die die meisten Schweinehalter zu aufwändig und zu teuer finden. Sie favorisieren den „skandinavischen Weg“: eine Kastration nach einer Lokalanästhesie, die der Landwirt selber durchführt – eine Methode, die in Schweden und Dänemark verbreitet ist.

Noch mehr Infos gibt es hier:

https://www.praxis-agrar.de/tier/schweine/alternativen-zur-betaeubungslosen-ferkelkastration/

Schmerzhafte Kastration – das können Verbraucher jetzt schon machen

Mir ist es egal wie, Hauptsache es wird anders als so, wie es nun noch mindestens zwei Jahre weitergeht! Aber bis zu einem endgültigen Verbot der betäubungslosen Kastration, können Verbraucher schon tätig werden: Neuland-Landwirte kastrieren bereits seit 2008 tierschonend unter Vollnarkose mit Inhalationsgas. Auch die Produkte der Bio-Eigenmarke von Rewe stammen außschließlich von Tieren, die MIT Betäubung kastriert wurden. Aldi (Nord und Süd) geht sogar noch weiter. Hier gibt es schon seit zwei Jahren überhaupt kein Schweinefleisch mehr von kastrierten Tieren zu kaufen.

Liebe Grüße
Eure Yvonne

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