Haushalt

Duftende Kerzen mit unbekanntem Inhalt

Gesundheitsrisiko Kerzen! Gerade in der dunklen Jahreszeit machen es sich viele mit Kerzen und Duftkerzen gemütlich. Für Allergiker und Asthmatiker kann das gefährlich werden. TV-Moderatorin Yvonne Willicks mit den besten Tipps.

Yvonne Willicks

Gerade in der dunklen Jahreszeit zünden viele zu Hause gerne Kerzen an, um es sich gemütlich zu machen. Rund 50 Prozent des Jahresumsatzes machen die Kerzenhersteller rund um die Weihnachtszeit. Besonders Duftkerzen werben mit vermeintlich natürlichen Inhaltsstoffen. Da heißt es schon mal blumig: „Duftkompositionen, die von den faszinierende Farben und Aromen der Natur inspiriert sind“. Inspiriert ist hier das Stichwort, denn wie natürlich die Duft- und Farbstoffe in den sogenannten „Wohlfühlkerzen“ tatsächlich sind, oder welche Stoffe für die „harmonisierende Wirkung“ sorgen, bleibt ein Geheimnis. Eine Zutatenangabe gibt es bei den meisten (Duft-)Kerzen nämlich nicht – und ist auch nicht vorgeschrieben.

Kerzen als Gesundheitsrisiko

Auf vielen Packungen finden sich dafür aber Allergiker-Hinweise (z.B. „Kann allergische Hautreaktionen verursachen.“) Seit 2005 müssen allergieauslösende Stoffe ab einem bestimmten Grenzwert auf Packungen gekennzeichnet werden. Diese Deklarationspflicht betrifft derzeit 26 Duftstoffe und all diese sind in der Kerzenproduktion im Einsatz. Auch Hinweise auf Schadstoffe (z.B. „Schädlich für Wasserorganismen“) habe ich auf verschiedenen Produkten gefunden.

Hm, jetzt lasst mich mal eins und eins zusammenzählen! Wenn die Inhaltsstoffe NICHT angegeben werden, wohl aber Hinweise auf allergieauslösende Stoffe und andere Schadstoffe, dann scheint es sich bei den harmonisierenden Wohlfühlkerzen wohl nicht um völlig harmlose Produkte zu handeln.

Duft-Kerzen können krank machen – nicht nur Allergiker

Auch trotz der Kennzeichnungspflicht können Duftkerzen für Allergiker problematisch sein. Denn viele Betroffene sind sehr empfindlich und reagieren auch auf Allergene, wenn diese nur in Spuren enthalten sind und (weil unterhalb der Mindestkonzentration) nicht gekennzeichnet werden müssen. Allergiker haben mir von Kontaktallergie erzählt, die durch Duftstoffe in der Raumluft ausgelöst wurden. Sie hatten also die Kerze noch nicht einmal in der Hand gehalten.

Tipps zum richtigen Umgang mit Kerzen – Lüften nicht vergessen

Was für Allergiker und Asthmatiker ein Gesundheitsrisiko ist, ist auch für uns Nichtbetroffene eine Belastung. Denn beim Abbrennen von Kerzen können nicht nur Schadstoffe freigesetzt werden, es bildet sich auch Ruß, der in die Atemluft gelangt. Daher sollte man zurückhaltend mit Duftkerzen und Kerzen allgemein umgehen. Außerdem gilt es für den gemütlichen Kerzenschimmer einige Regeln zu beachten.

Kerzen abbrennen – so geht es richtig

  • Vor und nach dem Abbrennen gut durchlüften.
  • Kerzen nie unbeaufsichtigt lassen.
  • Kerzen nicht in Kinderhände.
  • Kerzen von Haustieren fernhalten.
  • Zwischen Kerzen ausreichend Abstand lassen, so dass sich die Flammen nicht verbinden können.
  • Kerzen nach dem ersten Anzünden mindestens so lange brennen lassen, bis die gesamte Oberfläche flüssig ist. So kann sie gleichmäßig herunter brennen.
  • Rand von dickeren Kerzen regelmäßig abschneiden, damit die Brennqualität erhalten bleibt.
  • Wird der Docht zu lang, die Flamme zu groß, muss der Docht auf eine Länge von 0,80 – 1 cm gekürzt werden.

Brüssel regelt Kerzensicherheit neu

Seit 2016 gelten EU-weit die gleichen Sicherheitsanforderungen für Kerzen. Danach müssen Kerzen während des Abbrennens unter anderem stabil bleiben und die Rußemission so gering wie möglich sein. Ich finde diese Verordnung richtig und absolut notwendig, auch wenn sich die Kommentatoren der großen Tageszeitungen seinerzeit laut darüber lustig gemacht haben („Kerzen sind die neuen Gurken“). Auch die Kerzenindustrie hat die Norm begrüßt. Sie schützt ihre Produkte vor (Billig-)Importen.

RAL-Gütekennzeichen für Kerzen = gute Qualität

Gute Qualitätsstandards bietet das RAL-Gütezeichen für Kerzen. Es garantiert, dass die Produkte bei richtigem Umgang, gleichmäßig abbrennen, nicht rußen und nicht tropfen. Sie setzen außerdem keine bedenkliche Menge an Schadstoffen frei. Die Hersteller sind verpflichtet, keine schadstoffbelasteten Rohstoffe oder gesundheitsbedenkliche Kerzenfarben oder -lacke zu verwenden. Nach einer Studie des Allergiker-Bundes verbrennen auch natürliche Bienenwachskerzen besonders schadstoffarm.

Eure Yvonne

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