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Kindermenüs in deutschen Restaurants sind ungesünder als in amerikanischen Fastfood-Ketten

Fettes und stark verarbeitete Kindermenüs – Studie belegt, dass Kinder in deutschen Restaurants ungesünder bewirtet werden als in amerikanischen Fastfood-Ketten. TV-Moderatorin und Hauswirtschaftsmeisterin plädiert für den Räuberteller.

Yvonne Willicks

Neulich lese ich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von einer Studie über Kindermenüs in Restaurants. Es ist die weltweit größte Studie zu Kinderspeisekarten. Die Autoren von der Uni Heidelberg haben fast 1900 Kindergerichte in inhabergeführten deutschen Restaurants untersucht und anhand der Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bewertet.

Die Qualitätsstandards für Kita- und Schulessen könnt ihr hier nachlesen: https://www.dge.de/gv/dge-qualitaetsstandards/

Kindermenüs zu fettig, zu salzig und viel zu viele Kalorien

Das Ergebnis der (noch nicht veröffentlichen) Untersuchung ist erschütternd: 81 Prozent der Gerichte ist aus ernährungswissenschaftlicher Sicht total ungesund. 81 Prozent! Mehr als die Hälfte aller Gerichte (54 Prozent) enthielten Pommes, nur ein Drittel Gemüse, Vollkornprodukte waren gar nicht im Angebot. Ein Viertel der untersuchten Speisen erfüllte kein einziges (!) Qualitätskriterium der DEG.

Knapp 30 Prozent der 1900 untersuchten Gerichte sind Pommes mit Chicken-Nuggets

Die Menüs bestanden in erster Linie aus stark verarbeiteten Lebensmitteln und kamen sehr oft aus der Fritteuse: Fertige Kartoffelprodukte, Fischstäbchen, Wurst, Burger. Am häufigsten standen Chicken-Nuggets mit Pommes auf der Karte. Sagen wir mal so: Gesund ist anders!

Ungesundes Kinderessen: Restaurant-Angebot und Kindergeburtstag-Menü

Nun haben meine drei Kinder auch nicht alle immer alles gegessen. Ist ja klar! Pommes und Chicken-Nuggets durfte ich aber fast immer auf die mir freudig entgegen gestreckten Teller füllen. Das ist so wie mit Gummibärchen und Schokolade: Da sagt auch kaum einer nein. Das wissen natürlich auch die Restaurantbetreiber und bieten deswegen Pommes, Würstchen, Nudeln und Co. an. Als Bestechung für mäkelige oder unzufriedene Kinderkunden. Ehrlich gesagt, habe ich das bei vielen Kindergeburtstagen genauso gemacht. Mit den „typischen“ Kindergerichten ist man zumindest auf der sicheren Seite … (es gab aber auch immer Rohkost-Schnitze für das gute Gewissen!)

Ungesunde Kinderessen – ein Armutszeugnis für die deutsche Gastronomie

Trotzdem ist es natürlich ein Armutszeugnis für die deutsche Gastronomie, die jüngsten Kunden so schmählich zu vernachlässigen. Statt Kinder an neue kulinarische Reize heranzuführen, werden sie hier mit den billigsten und einfachsten Mahlzeiten abgespeist. Wo kann man denn Gerichte besser ausprobieren als in fremden Küchen, also sprich in Restaurants? Indisch, griechisch, türkisch, italienisch, vietnamesisch, thailändisch, chinesisch, mexikanisch – all diese unterschiedlichen Geschmackserlebnisse sind auch prima für Kindermünder geeignet. (Wenn sie nicht zu scharf, zu sauer oder zu bitter sind.)

Mein Tipp: Räuberteller statt Kinderkarte

Mein Tipp: Nehmt eure Kinder mit in alle Restaurants, auf die ihr Lust habt, fragt nach einem Räuberteller (kleiner Teller zum Mitessen!) und lasst sie lernen, was es für wunderbare Aromen auf der Welt gibt. Je mehr, desto besser, denn desto vielseitiger wird ihre Bildung in Sachen Geschmack werden.

Eure Yvonne