Haushalt

Blogpost 100 – Mikrofasertücher

Mikrofasertücher aus synthetischen Materialien haben die besten Putzeigenschaften. In der Wäsche hinterlassen sie aber Mikroplastik, das übers Abwasser in Flüsse und Meere gelangt. Ein Grund sich langsam vom den tollen Tücher zu verabschieden, findet Hauswirtschaftsmeisterin und TV-Moderatorin Yvonne Willicks.

Yvonne Willicks
Dies ist mein 100. Blogpost! Wahnsinn! Als ich diesen Blog gestartet habe, hatte ich keine Ahnung, wie viele Posts es werden würden und wie lange ich das überhaupt durchhalte. Aber die Rückmeldungen von euch sind so positiv und nett – da macht es richtig Spaß jede Woche was Neues zu schreiben. Auch weiterhin will ich hier auf dieser Seite eure Fragen beantworten und über Themen schreiben, die mich bewegen. Ich hoffe, ihr bleibt mir treu – und dabei!

Mikrofasertuch adé – Time to say good bye

Ein Thema das mit aktuell beschäftigt, ist die Umweltverträglichkeit von Mikrofasertüchern. Ich schreibe zurzeit wieder an einem Buch und da ist mir das Thema wieder mal vor die Füße gefallen. Dabei ist mir ein Leserbrief eingefallen, der schon älter ist (sicher ein Jahr …), und den ich bislang noch nicht beantwortet habe. Zu dem Zeitpunkt als er mich erreichte, hatte ich mir noch keine abschließende Meinung zum Thema gemacht. Und dann? Ja, dann lag die Zuschrift immer hier auf meinem (Computer-)Schreibtisch, quasi als Mahner, aber irgendwie hatte ich (glaube ich) etwas Angst vor der Konsequenz, wenn ich ihn endlich beantworte. Nun ist es also soweit …

Was spricht gegen Mikrofasertücher?

Gisela und Anton hatten mir geschrieben, dass für sie die „Diskussion und die gesetzlichen Änderungen bezüglich Kunststoff im Alltag“ viel zu kurz greifen. „Aufgrund unserer Erfahrungen mit Spüllappen/Putzlappen … wollten wir nur noch Lappen aus natürlichem Gewebe einsetzen. Es ist uns nicht gelungen geeignete Lappen ausfindig zu machen. Wir haben nur Putzlappen aus synthetischem Material gefunden. Selbst der „althergebrachte“ Aufnehmer ist nicht explizit aus rein natürlichen Fasern. Wir finden das ist eine Katastrophe für die Umwelt. Während des Gebrauchs und beim Waschen lösen sich (vor allem wenn sie etwas älter sind) laufend Kunststoffpartikel ab, die in der Umwelt landen. Wenn noch nicht geschehen, bringen Sie das ins Gespräch, so dass sich ein Bewusstsein hierfür entwickelt und irgendwann dann auch etwas ändert.“

Was spricht für Mikrofasertücher?

Ich bin immer ein großer Fan von Mikrofasertüchern gewesen. Durch ihre Struktur nehmen sie Staub und Schmutz gut auf. In der Regel reicht einfaches Wasser für ein optimales Reinigungsergebnis aus. Außerdem fusseln sie nicht. Kurz: Sie machen einfach gut sauber, sind simpel in der Handhabung und gut zu waschen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Eigentlich alles tippitoppi. Allerdings verlieren Mikrofasertücher beim Waschen in der Waschmaschine Mikrofaser und diese landen – weil sie im Wasserwerk nicht herausgefiltert werden können – am Ende irgendwann im Ozean. Deswegen habe ich mir schweren Herzens von Mikrofasertüchern verbschiedet und empfehle Tücher aus natürlichen Materialien wie Baumwolle, Leinen, Leder oder Zellulose. Nur gibt es, wie Gisela und Anton zurecht schreiben, leider keine Mikrofasertücher aus natürlichen Materialien.

Natürliche Alternativen zu Mikrofasertüchern habe ich nicht gefunden …

Für den kosmetischen Bereich gibt es bereits Mikrofasertücher aus Bambus, bei Tüchern für den Haushalt bin ich aber bislang noch nicht fündig geworden. In der Küche bieten sich eine Reihe guter Alternativen aus Baumwolle als Ersatz an. Auch selbstgestrickte Lappen sind derzeit ein Trend und praktisch in der Anwendung. In der Küche sind ein paar Fusseln ja auch kein Drama. Schwieriger ist der Ersatz für die Tücher mit den besten Putzeigenschaften aber bei Glas, Spiegeln und Flächen, auf denen Fusseln unschön sichtbar werden. Hier kann man nur auf den guten, alten Lederlappen zurückgreifen.

Ein Abschied auf Raten

Aber es bleibt insgesamt schwierig Mikrofasertücher zu ersetzen. Die Verbraucherzentrale rät nach wie vor zu ihrem Gebrauch – auch aus ökologischen Gründen, da mit ihnen Putzmittel gespart wird. Es ist also eine Frage der Abwägung, ob man ihnen treu bleibt oder Abschied nimmt. Ich jedenfalls werde meine Tücher noch solange weiter verwenden, bis sie nicht mehr zu gebrauchen sind. Ich wasche sie in einem Mikrofaser-Beutel, der verhindert, dass Mikroplastik übers Abwasser in Flüsse und Meere gelangt. Ersetzen werde ich sie dann nach und nach mit Tüchern aus natürlichen Materialien. Ich bin da selber schon am stricken, und hoffe auch ganz fest auf die Industrie, die ja in der Regel sehr innovativ ist, sobald sie den Bedarf für neue Produkte (und neue Absatzmärkte) erkennt.

Wehmütig – eure Yvonne