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Avocado – Samtige Sünde

Avocado, die Superfrucht mit Nachgeschmack! Hauswirtschaftsmeisterin und TV-Moderatorin Yvonne Willicks über die Ökobilanz von Avocados und weiteren Fakten rund um die grüne Beere aus Mexiko.

Yvonne Willicks

Ich muss es zugeben: Ich esse sehr gerne Avocado. Ich finde die Frucht furchtbar lecker. Die buttrig-weiche Konsistenz und der nussige Geschmack – Einfach herrlich! Ob als cremige Guacamole mit Zwiebel und Cherrytomaten auf Brötchen (am besten noch mit Frischkäse drunter) oder geschnippelt als Salatzutat, auch gebacken schmeckt Avocado einfach großartig. Aber leider hat die grüne Frucht eine furchtbar schlechte Ökobilanz. Der Avocado-Anbau ist bewässerungsintensiv und die Transportwege ins Geschäft sind oft weit.

Avocado-Nachfrage steigt

Die Nachfrage nach der Beerenfrucht (Avocado ist Obst und kein Gemüse!) steigt in Deutschland seit Jahren an. 2008 wurde gut 19.000 Tonnen Avocadofrüchte nach Deutschland importiert, 2018 waren es laut statistischem Bundesamt knapp 94.000 Tonnen, das heißt fast die fünffache Menge! Kein Wunder! Der Avocado-Hype war und ist ja auch enorm: Avocado, die gesunde Superfrucht, die satt macht, aber nicht dick. Sie durfte in keiner Zeitschrift und auf keiner Menü-Karte mehr fehlen. DIE Zutat der veganen Küche! Perfektes Marketing würde ich sagen.

Gesundes Superfood

Aber es ist ja auch was dran: Avocados enthalten viele Nährstoffe, Vitamine, Mineralien, wie Folsäure, Niacin, Vitamin E, Kalium und wertvolle Aminosäuren. Von allen Obst- und Gemüsesorten enthält sie am meisten Fett, vor allem gesunde, ungesättigte Fettsäuren. Und wie gesagt, der Geschmack ist einzigartig. Keine andere Frucht ähnelt den Aromen der Avocado. Es steht also einiges auf der Positiv-Liste!

Klimasünder Avocado

Aber Avocados brauchen sehr viel Wasser zum Wachsen. In den bergigen Regenwäldern Zentralamerikas und Südmexikos, wo sie herstammen, ist das kein Problem, dort regnet es genug. Doch die steigende weltweite Nachfrage braucht viel Platz, und da reichen die regenreichen Regionen nicht mehr aus. Urwaldflächen in ganz Südamerika wurden gerodet, oft auch illegal, um Großplantagen zu pflanzen. Der enorme Wasserbedarf wird hier kaum noch auf natürlichem Weg gestillt. Ein Kilo Avocado (etwa 4 Stück)! benötigt rund 1000 Liter Wasser. Dafür werden in vielen Anbaugebieten Flüsse angezapft, Stauseen angelegt und selbst Grundwasser hochgepumpt, um den Durst der Pflanzen zu stillen. Die Kosten tragen die ansässige Bevölkerung und die Natur.

Sinkende Grundwasserpegel als Folge von Avocado-Anbau

Auch in Spanien hat der Anbau der Avocado gravierendere Folgen. Spanien ist das einzige europäische Land, das Avocados exportiert – und das zu einem sehr hohen Preis. In den Bergen Andalusiens kann man beobachten, wie traditionelle, uralte Olivenhaine abgeholzt und durch Avocado-Plantagen ersetzt werden. Der enorme Wasserbedarf führt bereits dazu, dass der Grundwasserspiegel sinkt – und das ist den großen und trockenen Gemüseanbaugebieten. Spaniens Bauern graben sich buchstäblich selbst das Wasser ab … Umweltorganisationen wie der WWF beklagen den Zustand seit Jahren.

Schlechte Ökobilanz – was tun?

Was heißt das nun? Heißt das, wir sollten auf Avocados verzichten, so wie einige Restaurants, die die gehypte Frucht wieder vom Menü gestrichen haben? Ich sehe das nicht so. Ich finde, wir sollten alle unsere Lebensmittel wertschätzen, und die mit einer schlechten Ökobilanz (wie etwa auch Fleisch, Butter, Käse) in Maßen genießen. Avocados müssen nicht jeden Tag auf den Teller!

Reif oder nicht?

Avocados schmecken am besten, wenn sie richtig reif sind. Geerntet werden sie unreif. Bio-Produkte reifen auf natürliche Weise im Geschäft oder zu Hause nach. Wenn es schnell gehen muss, dann legt einfach eine Banane oder einen Apfel dazu. Diese produzieren ein Gas, das Früchte schneller reifen lässt. Konventionelle Avocados werden durch eine spezielle Gasbehandlung genussbereit. Die Früchte sind genau richtig, wenn sie auf leichten Druck hin nachgeben. Schwarze Stellen sind ein Zeichen dafür, dass sie überreif sind. Wollt ihr eine Hälfte aufbewahren, dann bitte den Kern nicht entfernen, Zitronensaft auf die Schnittstelle träufeln, in Folie einwickeln und im Kühlschrank aufbewahren.

Avocado-Fakten:

  • Es gibt mehr als 400 verschiedene Avocado-Sorten
  • Vor allem die Sorten Hass und Fuerte werden exportiert.
  • Hass hat eine knubbelige Schale, die nachdunkelt.
  • Fuerte eine glatte gleichbleibend grüne Schale.
  • Weltweit größter Exporteur ist Mexiko

Viele weitere (unkritische) Infos zu Avocados, aber vor allem unzählige köstliche Rezepte findet ihr auf der Seite der Welt-Avocado-Organisation.

Hier ist der Link: https://avocadofruitoflife.com/

Eure Yvonne