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Schlank mit Eiweißbrot?

Abnehmen mit weniger Kohlenhydraten, das versprechen Eiweißbrote. Lowcarb-Produkte liegen im Trend. TV-Moderatorin und Hauswirtschaftsmeisterin Yvonne Willicks über Lowcarb-Produkte und, ob sie wirklich schlank machen.

Yvonne Willicks

Abnehmen mit Low-Carb-Getreide-Produkten

Sie sind mittlerweile überall erhältlich, ob beim Bäcker, im Feinkostladen, im Supermarkt und im Discounter: Eiweißbrote! Sie versprechen – durch weniger Kohlenhydrate – eine schlankere Linie. Hintergrund ist die „Schlank im Schlaf“– Diät nach dem Abnehmprinzip des Low-Carb. Danach gelten Kohlenhydrate als Dickmacher und sollten nur in geringen Mengen aufgenommen. Sättigendes Eiweiß dagegen wird in großen Mengen verputzt.

Kohlenhydrate – ein wichtiger Baustein in der Ernährung

Nun ist es tatsächlich so, dass Kohlenhydrate für die Aufrechterhaltung der normalen Körperfunktionen wichtig und notwendig sind. Sie liefern dem Körper schnelle Energie. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, dass mehr als 50% der täglichen Energiezufuhr in Form von Kohlenhydraten aufgenommen werden soll. (https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/kohlenhydrate-ballaststoffe/)

Wird diese Energie allerdings nicht vollständig abgerufen (also verbrannt), wird sie als Reserve eingelagert. Richtig ist also, wer zu viele Kohlenhydrate zu sich nimmt, wird auf Dauer dick.

Das Low-Carb-Prinzip – so funktioniert es

Steht diese schnelle Energie nicht zur Verfügung, weil die Zufuhr von Kohlenhydraten deutlich reduziert wird, holt sich der Stoffwechsel die für den Körper notwendige Energie aus anderen Quellen, unter anderem aus den Fettreserven. Rundungen an Bauch, Hüfte, Po schmelzen so dahin. Zumindest in der Theorie! Denn, wer auf sattmachende Kohlenhydrate verzichtet, bleibt in der Regel hungrig. Deswegen ist in der Low-Carb-Diät sättigendes Eiweiß erlaubt. Und das enthält manchmal auch ganz schön viele Kalorien. Aber Verbraucher stellen die schlankmachende Wirkung des Prinzips kaum mehr in Frage.

Werbung verboten – wegen der Health Claims Verordnung

Mit dem Abnehmprinzip werben, dürfen die Hersteller aber nicht. Seit der Einführung der Health Claims Verordnung Ende 2012, nach der gesundheitsbezogene Angaben auf Lebensmitteln von der EU genehmigt werden müssen, wirbt kein Produzent mehr offen mit den angeblich gewichtsreduzierenden Eigenschaften der Brote. Diese sind nämlich nicht wissenschaftlich belegt. Zudem wurden diesbezügliche Werbeaussagen in drei Fällen als irreführend beurteilt. Seitdem prangt auf den Broten lediglich der Hinweis, dass sie für eine kohlenhydratenarme Ernährung geeignet sind. Dennoch sind sie ein Verkaufsrenner.

Verbraucherschützer warnen vor Eiweiß-Broten

Und nun kommt das große ABER: Um den hohen Eiweißgehalt in den Spezialbroten zu erhalten, ersetzen die Hersteller Teile des Getreidemehls durch Weizenkleber und Soja-, Erbsen- oder Lupinenmehl – und verwenden dafür eine Menge Zusatzstoffe. Verbraucherschützer warnen vor den hochverarbeiteten Broten und dem hohen allergenen Potential der Backwaren und raten insbesondere Allergikern, die Zutatenlisten gut zu studieren.

Eiweißbrote enthalten mehr Fett als normale Brote

Nach einer Studie der Verbraucherzentralen Ende 2019 enthalten die Eiweiß-Brote oder „Abendbrote“ zwar oft deutlich weniger Kohlenhydrate als vergleichbare Backwaren, dafür aber umso mehr Fett – nämlich bis zu zehn Mal so viel! Dementsprechend schlägt das vermeintliche Diätprodukt deutlich auf das Kalorienkonto.

Bei ihren Recherchen haben die Verbraucherschützer festgestellt, dass:

  1. Eiweißbrot zu etwa einem Viertel aus Eiweiß besteht und meist durch Saaten, Samen und Nüsse sehr viel mehr Fett als anderes Brot enthält.
  2. Die Gesamtkalorienmenge pro 100 Gramm deutlich höher liegt als bei anderem Brot.
  3. Nicht immer nur pflanzliche Eiweiße verwendet werden.
  4. Eiweißbrot hochverarbeitet ist und oft zahlreiche Zusatzstoffe und Hilfsmittel enthält.
  5. Sie oft ein hohes allergenes Potential haben.

Nachzulesen hier: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/schlankheitsmittel-und-diaeten/eiweissbrot-11175

Schlankmacher sind die vermeintlichen Diätprodukte also keineswegs. Neben dem erhöhten Kaloriengehalt und dem Allergiker-Risiko, bemängeln die Verbraucherschützer außerdem den Preis. Der liegt für ein Kilo Spezialbrot bei gut 6 Euro. Das beliebteste Brot der Deutschen, das Roggenmischbrot, dagegen ist schon für etwa 2 Euro das Kilo haben.

Diäten adé – Gesund und dauerhaft abnehmen geht nur mit Ernährungsumstellung

Wer gesund und langfristig Abnehmen möchte – da sind sich alle Ärzte und Experten einig – braucht keine besondere Diät, sondern muss seine Tages-Kalorienmenge reduzieren. Am besten und einfachsten geht das mit einer abwechslungsreichen Mischkost aus vielen Vollkornprodukten, mit viel frischem Gemüse und Obst und wenig verarbeiteten Lebensmitteln. Saisonale, regionale, selbstgekochte Kost hält gesund und macht satt und schlank – und ist außerdem noch viel günstiger! Ich finde, kleine Sünden sind als Motivationshilfen erlaubt, wenn sie klein bleiben. Wichtig ist, dauerhaft nicht mehr Energie zu sich zu nehmen, als verbraucht wird. Sonst wird das nie was mit der schlanken Linie.

Eure Yvonne